Falladas ‘kleine Frauen’: Lebensentwürfe in der Krise

Bernhard Heinrich (Schweinfurt)

Sowohl die kultursoziologische als auch die historische Forschung stimmen darin überein, dass sie der sogenannten “Neuen Frau” einen zentralen Platz innerhalb der Weimarer Moderne zuweisen. Lebensentwürfe von Frauen waren somit auch ein zentrales Thema der “weiblichen”  neusachlichen Literatur, egal ob in Keuns Romanen Gilgi – eine von uns, Das kunstseidene Mädchen oder in Marieluise Fleißers Eine Zierde für den Verein.

Neuartige und erfolgreiche Lebensperspektiven erschlossen sich vor allem für die künstlerische und intellektuelle Avantgarde, aber welche Möglichkeiten der Teilhabe an Emanzipationsprozessen boten sich für die proletarische oder kleinbürgerliche Frau, die sich nicht öffentlich engagierte?  Waren für sie  alle emanzipatorischen Bestrebungen zum Scheitern verurteilt? Eine subtile, wenn auch nicht immer vollends überzeugende Antwort gibt Hans Fallada in seinen Romanen Kleiner Mann – was nun? und Wolf unter Wölfen, “Romane mit Anspruch auf verarbeitete Zeitgenossenschaft” (Schütz), die sich nicht um die Affirmation eines konservativen (männlichen) Frauenbildes bemühen, sondern Spielräume für die von sozialen Krisen betroffene “kleine Frau” (“klein” im soziologischen Sinn) auszuloten.

Einige von Falladas Frauenfiguren vermögen es, sich gegenüber dem männlichen Geschlecht durchzusetzen und ihren Platz in der Gesellschaft zu erobern, ohne dabei jedoch dem “Krieg der Geschlechter” das Wort zu reden.




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